Bitcoin: Wie gefährlich sind Quantencomputer wirklich?

Einige Anleger befürchten, dass neue Rechnertechnologien die Sicherheit von Bitcoin bald schwächen könnten. Fachleute widersprechen dieser Sicht jedoch deutlich.

  • Die Sorge vor einem möglichen Angriff durch Quantencomputer kommt in der Kryptoszene immer wieder hoch, besonders wenn die Kurse fallen. Viele Anleger fragen sich dann, ob Bitcoin eines Tages durch neue Rechnertechnologien angreifbar wird.
  • Aktuelle Behauptungen, dass der sogenannte »Q-Day« kurz bevorsteht, lösen daher schnell Unruhe aus. Damit ist der hypothetische Moment gemeint, in dem ein Quantencomputer die Verschlüsselung von Bitcoin brechen könnte.
  • Fachleute widersprechen dieser Einschätzung jedoch deutlich. Einer der bekanntesten Stimmen ist Adam Back, der seit vielen Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der Cypherpunk-Bewegung und der Bitcoin-Entwicklung gehört. Er ordnet die Situation klar ein: Die Technologie steht noch lange nicht auf dem Niveau, das für einen realen Angriff nötig wäre.

Wie weit Quantencomputer heute wirklich sind

Quantencomputer arbeiten nicht wie klassische Rechner mit Bits, sondern mit Qubits. Diese sind sehr empfindlich und verlieren schnell ihre Stabilität. Damit ein Quantencomputer die Signaturmechanismen von Bitcoin gefährden könnte, müsste er Millionen fehlerkorrigierter Qubits besitzen.

Solche Maschinen existieren nicht annähernd. Die größten Forschungsteams erreichen heute meist nur Systeme im zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Bereich, oft mit hoher Fehlerrate. Auch wenn Unternehmen wie IBM, Google oder IonQ Fortschritte verkünden, gelten diese Modelle eher als experimentelle Prototypen als als einsatzfähige Rechner.

Adam Back erklärt deshalb, dass von einer realen Gefahr für Bitcoin keine Rede sein kann. Er hält einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren für realistisch, manche Experten sprechen sogar von 30 bis 40 Jahren. Das bedeutet, dass Bitcoin nicht unter Zeitdruck steht. Selbst wenn die Entwicklung schneller verläuft als erwartet, bleibt der Community genug Zeit, auf Post-Quantum-Signaturen umzusteigen.

Diese neuen kryptografischen Verfahren sind so konstruiert, dass sie auch gegen starke Quantenangriffe sicher bleiben sollen. Einige davon sind bereits heute verfügbar und werden vom US-Standardisierungsinstitut NIST geprüft oder empfohlen.

Warum Bitcoin vorbereitet ist und die Debatte trotzdem immer wieder aufflammt

Bitcoin ist so aufgebaut, dass Upgrades im Netzwerk schrittweise umgesetzt werden können. Es gab in der Vergangenheit mehrere größere Anpassungen, darunter SegWit im Jahr 2017 und Taproot im Jahr 2021. Ein Wechsel zu einem neuen Signaturverfahren wäre daher kein spontaner Notfall, sondern könnte über viele Jahre geplant erfolgen. Die technische Grundlage dafür existiert bereits, und die Community hat genügend Erfahrung mit langfristigen Entwicklungsprozessen.

Trotzdem taucht die Quanten-Debatte regelmäßig auf. Sie verstärkt sich besonders in Zeiten, in denen die Kurse fallen und Anleger unsicher sind. Laut Adam Back können solche Erzählungen genutzt werden, um Panik zu erzeugen und Liquidität zu verringern. In diesen Momenten entstehen oft Vorteile für große Marktteilnehmer, die günstiger Bitcoin kaufen können. Die Faktenlage bleibt jedoch stabil: Die aktuelle Quantenforschung hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf Bitcoins Sicherheit.

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Vincent Bruns

Vincent Bruns ist der Gründer von Krypto Online. Er hat bereits für mehrere Krypto- und Finanzportale wie Bitcoin2Go und Finanzwissen.de als Autor und Social Media Manager gearbeitet und konnte seine Begeisterung über Kryptowährungen zum Beruf machen. Krypto Online hat er im Juli 2020 gegründet. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und mittlerweile als digitaler Nomade aus Deutschland ausgewandert, um seine persönliche Freiheit zu maximieren.

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