Bitcoin: Der Dip ist da, aber warum kauft niemand?

Der Bitcoin-Markt hat in den letzten Wochen stark nachgegeben, doch viele Trader sehen weiterhin keine eindeutigen Kapitulationszeichen. Ausbleibende Liquidationen im Derivatemarkt sorgen dafür, dass Anleger abwarten und nach klaren Signalen suchen, bevor sie neue Positionen eröffnen.

  • Der Bitcoin-Kurs ist seit dem 10. Oktober um rund 15 % gefallen. Trotz dieser deutlichen Bewegung sehen Trader weiterhin keine echten Kapitulationszeichen im Derivatemarkt.
  • Unter Kapitulation verstehen Trader eine Phase, in der gehebelte Positionen massenhaft zwangsliquidiert werden. Solche Liquidationen zeigen oft, dass der Markt seinen Belastungspunkt erreicht hat.
  • Genau dieses Signal fehlt bisher. Viele Anleger warten deshalb ab und wollen erst reagieren, wenn sich die Lage deutlicher zeigt.

Fehlender Druck aus dem Derivatemarkt

Analysten weisen darauf hin, dass Bitcoin zwar gefallen ist, aber ohne die typische Bereinigung von Long-Positionen. Normalerweise sinkt in solchen Phasen das offene Interesse stark, weil Positionen geschlossen oder liquidiert werden. Dieses Verhalten gilt für viele Händler als wichtiger Baustein für einen möglichen Trendwechsel.

Der Analyst Adam (X: @abetrade) betont, dass er die Rücksetzer bisher nicht gekauft hat, weil der Markt nicht genug Stress gezeigt hat.

Open Interest läuft seitwärts, positive Funding Rates und keine hohen put-skew.
Open Interest läuft seitwärts, positive Funding Rates und keine hohen Put-Skews.

Gleichzeitig sieht er wenig Raum für neue Short-Positionen. Der Kursverlauf ist bereits weit gefallen und wirkt technisch gedehnt. Während der Abverkäufe gab es zudem steigende Handelsvolumina. Solche Volumenphasen entstehen oft, wenn Trader beginnen, erste Gegenpositionen aufzubauen. Für viele Marktteilnehmer ist das ein Hinweis, dass ein direkter Trendfortsatz nach unten schwerer wird. Shorts liefern in solchen Bereichen häufig kein gutes Verhältnis zwischen Risiko und möglichem Gewinn.

Ein weiterer Punkt ist die aktuelle Marktdatenlage. Die Funding-Rates sind überwiegend neutral. Auch das spricht gegen eine überhitzte Stimmung in eine bestimmte Richtung. On-Chain-Daten zeigen außerdem, dass langfristige Halter ihre Bestände kaum bewegen. Der Markt befindet sich damit in einer Zwischenphase, in der klare Impulse fehlen.

Mögliche Zonen für neue Kaufgelegenheiten

Adam nennt zwei Kursbereiche, die für neue Käufe interessant werden könnten. Der erste liegt knapp unter 91.000 US-Dollar. Ein kurzer, aggressiver Stich unter diese Marke könnte starke Liquidationen auslösen. Wenn dabei die Basis zwischen Spot- und Futures-Preis ins Negative dreht, wäre das für viele ein klassisches Kapitulationssignal. Solche Moves entstehen oft, wenn viele Trader gleichzeitig aus Positionen gedrängt werden. Erst in dieser Situation sieht Adam eine attraktive Chance, wieder aktiv zu werden.

Aktueller Bitcoin-Chart
Aktueller Bitcoin-Chart

Der zweite Bereich liegt tiefer, bei etwa 84.000 US-Dollar. Dort befindet sich eine technische Zone, die in der Vergangenheit mehrfach als Unterstützung gedient hat. Wenn es zu einem weiteren Rückgang kommt, könnte dieser Bereich aus Sicht der Preisstruktur ein besseres Verhältnis zwischen Risiko und möglichem Ertrag bieten. Trader achten an solchen Punkten vor allem darauf, wie stark die Reaktion des Marktes ausfällt. Eine schnelle Erholung würde auf Käuferkraft hinweisen.

Ob Bitcoin eine weitere Welle nach unten braucht oder ob sich der Markt vorher stabilisiert, bleibt offen. Viele Trader richten ihren Blick nun gezielt auf Liquidationen, Funding-Rates und das Verhalten großer Marktteilnehmer.

vincent bruns
Vincent Bruns

Vincent Bruns ist der Gründer von Krypto Online. Er hat bereits für mehrere Krypto- und Finanzportale wie Bitcoin2Go und Finanzwissen.de als Autor und Social Media Manager gearbeitet und konnte seine Begeisterung über Kryptowährungen zum Beruf machen. Krypto Online hat er im Juli 2020 gegründet. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und mittlerweile als digitaler Nomade aus Deutschland ausgewandert, um seine persönliche Freiheit zu maximieren.

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