• Arthur Hayes sieht die sinkende Dollar-Liquidität als Hauptgrund für den Bitcoin-Rückgang.
• Große ETF-Abflüsse verstärken laut ihm die Belastung für den Markt.
• Er erwartet steigende Kurse, falls die US-Regierung mehr Geld in Umlauf bringt.
Der Marktanalyst Arthur Hayes deutet die aktuelle Schwäche von Bitcoin als Folge knapper Dollar-Liquidität. Gleichzeitig hält er starke Kursbewegungen nach oben für möglich, wenn die USA die Geldmenge erneut ausweiten.
Dollar-Liquidität rückt in den Fokus
Hayes beschreibt Bitcoin als direkten Spiegel der globalen Fiat-Liquidität. Für ihn reagiert der Markt nicht vorrangig auf Stimmung oder politische Schlagzeilen, sondern auf die Erwartung zukünftiger Geldpolitik. Der Rückgang unter die Marke von 90.000 Dollar am Dienstag passt für ihn zu einer Phase, in der Dollar-Liquidität aus dem System verschwindet.
US-Indizes wie der S&P 500 und der Nasdaq notieren dagegen weiterhin nahe ihrer Allzeithochs. Diese Kombination aus starkem Aktienmarkt und schwacher Kryptowährung bewertet Hayes als Hinweis auf steigende Spannungen im Finanzsystem.
Er geht davon aus, dass eine deutliche Aktienkorrektur die US-Regierung zum Handeln zwingt. Bleiben die Zinsen hoch und sinkt die Risikobereitschaft, könnte die Regierung die Geldmenge wieder erhöhen. Hayes erwartet in diesem Fall eine deutliche Bewegung nach oben.
Kurse von 200.000 bis 250.000 Dollar seien möglich, wenn neue Liquidität den Markt erreiche. Er verweist auch darauf, dass Bitcoin seit dem Frühjahr 2025 gestiegen war, trotz sinkender Liquidität, was in seinen Augen vor allem durch ETF-Zuflüsse ausgelöst wurde.
ETF-Abflüsse verändern die Marktstruktur
In den vergangenen Wochen gab es jedoch mehrere historische Abflüsse aus Bitcoin-ETFs. Der IBIT von BlackRock verzeichnete Mitte November den größten Ein-Tages-Abfluss seit seiner Auflegung. Auf globaler Ebene zogen Anleger in derselben Woche rund zwei Milliarden Dollar aus Krypto-Fonds ab.
Hayes macht Basis-Trades großer Hedgefonds für diesen Trend verantwortlich. Diese Strategien nutzen Kursunterschiede zwischen dem ETF und den entsprechenden Futures. Das Ziel ist nicht, Bitcoin langfristig zu halten, sondern Preisunterschiede auszunutzen.
Fällt die Preisdifferenz, verlieren diese Trades an Attraktivität. Daher ziehen sich institutionelle Anleger zurück, obwohl sie nicht zwingend pessimistisch gegenüber Bitcoin sind. Hayes warnt, dass viele private Anleger diese Bewegungen falsch deuten.
Der Rückzug der Hedgefonds sei kein Misstrauen gegenüber Bitcoin, sondern eine Anpassung einer Handelsstrategie. Wenn Retail-Anleger diese Verkäufe jedoch als negatives Signal interpretieren und selbst verkaufen, verstärkt sich der Abwärtstrend. Laut JPMorgan sind derzeit rund 400 Milliarden Dollar in Basis-Trades gebunden, ein Umfang, der die Marktbewegungen spürbar beeinflussen kann.
Bedeutung für Anleger
Für Anleger ergibt sich daraus ein komplexer Markt, der stark von Liquidität und Handelsstrukturen geprägt ist. Bitcoin reagiert oft deutlicher auf geldpolitische Veränderungen als auf Nachrichtenlage oder technologische Entwicklungen.
Frühere Marktphasen zeigen, dass Bitcoin gerade in Zeiten steigender Liquidität kräftig zulegen kann, wie nach den US-Konjunkturprogrammen im Jahr 2020. Auch ETF-Zuflüsse spielten in den vergangenen Jahren eine zentrale Rolle für neue Höchststände.
Hayes empfiehlt, die Entwicklung der Dollar-Liquidität und ETF-Flüsse genau zu beobachten. Sie geben Hinweise darauf, ob institutionelle Investoren in Basis-Trades aktiv bleiben und wie stark der Markt auf kurzfristige Geldimpulse reagiert. Für private Anleger bleibt entscheidend, solche Marktmechanismen zu verstehen, um kurzfristige Schwankungen besser einordnen zu können.
